Egal, ob das Zubettbringen bei euch reibungslos läuft oder sich gefühlt jeden Abend zum unbezwingbaren Mount Everest auswächst – jede Familie (unabhängig vom Alter der Kinder) gibt ihr Bestes, um den Tag bestmöglich abzuschließen.
Manche Abende verlaufen ruhig und entspannt, andere erfordern mehr Geduld und Kreativität. Und oft variiert das je nach Kind sehr stark!
Wenn sich das Zubettbringen wie ein endloser Kraftakt anfühlt, der alle Energiereserven raubt, bist du nicht allein.
Viele Eltern empfinden es als frustrierend, wie lange es dauern kann, bis die Kleinen endlich schlafen, und fühlen sich ausgelaugt, weil ihnen dadurch die Zeit für sich selbst oder den Partner fehlt. Dabei folgen sie oft schon liebevoll durchdachten Ritualen.
Und trotzdem: Es kann anstrengend sein.
In Gesprächen mit Eltern, bei denen Einschlafen ein schwieriges Thema ist, habe ich zwei häufige Muster beobachtet:
- Einige verbringen zunehmend frustriert Stunden bei ihren Kindern.
- Andere lassen irgendwann alles laufen, weil es einfach zu ermüdend ist, und leiden dann darunter, dass die Kinder morgens für Kita/Schule schwer aus dem Bett kommen und sie selbst keine Pause von ihren Care-Aufgaben hatten…
Oft stecken hinter dem Frust der Eltern bestimmte Vorstellungen davon, wie das Zubettbringen „eigentlich“ ablaufen sollte:
Manche Eltern erwarten, dass das Kind einfach im Bett bleibt und ruhig sein sollte, damit der Abend den Eltern gehört. Aber das klappt eben nicht bei allen Kindern. Dieses Eingeständnis aber fällt oft schwer, selbst wenn man weiß, dass es helfen würde, die Situation zu akzeptieren, um konstruktiver damit umgehen zu können.
Stattdessen zweifeln Eltern häufig an sich selbst oder ihrem Kind. Schließlich muss es doch „wie bei anderen Familien“ funktionieren. Wenn nicht, glauben wir schnell, etwas falsch zu machen.
Das andere Extrem: Manche Eltern fühlen sich verpflichtet, ihr Kind so lange zu begleiten, bis es eingeschlafen ist. Das ist praktisch, wenn das Kind diese Begleitung tatsächlich braucht. Eher ungünstig ist es, wenn es eigentlich gar nicht nötig wäre und die Familie als Ganzes mehr davon hätte, wenn die Eltern in dieser Zeit etwas anderes machen würden.
Oft erlebe ich eines dieser Extreme. Dabei gibt es viele Möglichkeiten dazwischen.
Den eigenen Weg finden
Ich möchte dich ermuntern, kreativ zu werden und eine Balance zu entdecken, die für dein Kind, dich und euch als ganze Familie passt. Jedes Kind und jede Familienkonstellation ist einzigartig, und das gilt auch für die Einschlafbegleitung.
Vielleicht brauchte dein Kind als Baby lange deine Begleitung, sodass es sich eingeschlichen hat, dass ihr stundenlang beim Kind liegen bleibt. Doch inzwischen könnte es auch sein, dass es weniger Begleitung braucht oder sogar besser einschlafen würde, wenn ihr nicht da seid. Vielleicht wäre es für dein Kind sogar hilfreicher, sein Bedürfnis nach Spiel noch ein wenig auszuleben, um dann später selbstständig ins Bett zu gehen. Ein anderes Kind hingegen könnte genau das Gegenteil brauchen und sich nach genau dieser Nähe sehnen.
Auch in unserer Familie mit vier Kindern Bei unseren vier Kindern läut die Einschlafbegleitung sehr unterschiedlich:
- Mal schläft eines der Kinder für ein paar Monate bei uns mit im Schlafzimmer ein,
- mal schlafen die Geschwister in verschiedensten Konstellationen gemeinsam in einem ihrer Zimmer,
- mal schläft jemand bei mir abends auf dem Sofa ein,
- mal alle alleine in ihren Zimmern.
Während das eine Kind fast sofort einschläft, liebt das andere lange Gespräche oder Rituale wie das Ziehen einer meiner „Stärkungskarten“ oder das gemeinsame Reflektieren über die Dinge, für die wir an diesem Tag dankbar sind. Ein weiteres Kind spielt noch etwas, bevor es sich dann irgendwann selbst hinlegt und schläft.
Worauf es wirklich ankommt?
Löse dich von der Vorstellung, dass Einschlafen für alle Kinder und/oder auf Dauer immer gleich aussehen muss. Manche Familien kommen mit einer Gute-Nacht-Geschichte und einem kurzen „Gute Nacht“ aus. Andere stehen vor größeren Herausforderungen, besonders wenn ihre Kinder sensibler sind oder einfach noch nicht bereit zum Schlafen. Gerade im zweiten Fall kann es befreiend sein, sich von dem Gedanken zu lösen, dass es doch „einfacher gehen müsste“, weil “bei anderen klappt das doch auch”.
Wichtig ist: Dein Kind will dich nicht ärgern. Wenn es nicht „loslassen“ kann, sich nicht von dir trennen kann, geschieht das aus einem Grund, den das Kind selbst oft gar nicht benennen kann.
Einschlafen ist ein großer Übergang
Einschlafen ist mit Kontrollverlust verbunden. Dementsprechend ist es vollkommen normal, dass Kinder nach Nähe suchen.
Schon in der Menschheitsgeschichte war es für das Überleben wichtig, dass es in der Gruppe besonders wachsame, feinfühlige Menschen gab.
Wenn dein Kind generell reizoffen ist, fällt es ihm noch schwerer, abends herunterzufahren. Hilfreich sind dann Ausgleich und Regulation: Toben, freies Spiel und verbindende Momente am Tag. Zusätzlich gibt es einfache Übungen, die Eltern mit ihren Kindern machen können, um das Nervensystem zu beruhigen und Sicherheit zu verkörpern. Genau dafür entwickle ich gerade Karten mit Übungen – sobald der Link fertig ist, teile ich ihn hier.
- Einzuschlafen ist ein großer Übergang. Wenn wir schlafen, sind wir Menschen komplett ausgeliefert. Insofern ist es völlig normal, dass der Instinkt da ist, nicht so leicht loslassen zu können. Und klar: Wir wohnen nicht mehr in einer Höhle oder in der Savanne, wo sich Säbelzahntiger und andere Gefahren regelmäßig die Hand geben. Und doch hat es der Sicherheit der Menschen immer gedient, dass es besonders sensible und feinfühlige Menschen in der Gruppe gab, die schnell auf die kleinsten Signale reagiert haben und (wenn man es so sagen will) tendenziell weniger stumpf ihre Sachen gemacht haben à la „passt schon, wir dürften hier sicher sein“. Immer gibt es Menschen oder auch z.B. bei Tieren einzelne Pferde in der Herde, die besonders sensibel sind, besonders schreckhaft usw.. Aber dafür haben diese Individuen sorgen jahrtausendelang für die Sicherheit der Gruppe gesorgt.
- Es kann sein, dass dein Kind generell eher reizoffen ist und das Nervensystem während des Tages stark gefordert wird. Abends dann einfach runterzufahren, fällt selbst Erwachsenen in solchen Fällen sehr schwer. Insofern sind Dinge wie gemeinsames Toben (auch ruhig schon während des Tages), freies Spiel und verbindende Momente sehr wichtig, um das Nervensystem zu regulieren. Zusätzlich gibt es wunderbare Übungen, die wir auch als Eltern mit unseren Kindern zusammen machen können, die dazu beitragen, das Nervensystem wieder mehr in die Balance zu bringen und somit das Einschlafen zu erleichtern. Denn was wir damit tun, ist unserem Körper sozusagen zu übersetzen, dass er tatsächlich in Sicherheit ist. Denn gut Zureden reicht unserem Körper einfach nicht. Wir müssen die Sicherheit tatsächlich verkörpern.
Zurzeit erstelle ich Karten zum Ausdrucken mit Übungen zur Regulation des Nervensystems, die genau dafür super geeignet sind. Falls ich in der nächsten Zeit den Link dazu vergesse, hier einzustellen, schreibe mir unten einen Kommentar rein. Dann hole ich das noch nach.:)
Ideen für eine entspanntere Einschlafbegleitung
- Experimentiere mit kleinen Veränderungen:
Probiere neue Rituale, aber in kleinen Schritte und beobachte, ob und wie sie sich über ein paar Wochen bewähren. Vielleicht hilft ein neues, eher beruhigendes Ritual vor dem Schlafengehen (z.B. Lieder summen), vielleicht spielt ihr noch ein wenig auf der Bettdecke. Ihr könnt eine App mit Gute-Nacht-Geschichten probieren oder eine leichte Verschiebung des Licht-ausmachen-Zeitpunkts versuchen. Geduld ist hier der Schlüssel – gib jeder Änderung Zeit, sich einzupendeln.
- Bleib offen für Veränderungen:
Nur weil etwas früher funktioniert hat, muss es nicht immer so bleiben. Kinder wachsen und ihre Bedürfnisse ändern sich. Was einmal die perfekte Einschlafroutine war, muss vielleicht angepasst werden, wenn sich die Vorlieben deines Kindes oder deine bzw. die Ressourcenlage der Familie ändern. Sieh diese Veränderungen als Teil des Weges, das kann helfen, eher mit Neugier als mit Frust damit umzugehen, dass etwas nicht mehr „funktioniert“ oder plötzlich ewig dauert.
- Lass Erwartungen los:
Setze dich und dein Kind nicht unter Druck, dass das Zubettbringen auf eine bestimmte Weise ablaufen muss. Jede Familie und jedes Kind ist anders, und was bei der einen funktioniert, passt vielleicht bei der anderen nicht. Indem du diese Erwartungen loslässt, schaffst du Raum für eine entspanntere und flexiblere Einschlafbegleitung.. - Gewinne Klarheit:
Frage dich, warum du dich dafür entscheidest dein Kind so zu begleiten wie du es tust: Ist dein Kind besonders sensibel und kommt ohne dich kaum zur Ruhe? Dann weißt du eigentlich, dass du länger bei deinem Kind bleibst, weil es am Ende am Meisten darunter leiden würde, wenn du dich anders entscheidest. Umgekehrt: Braucht dein Kind wirklich deine Nähe? Oder handelst du aus Gewohnheit? Oder auch: Könnte deinem Kind in dessen aktueller Phase deutlich mehr Nähe gut tun? Dann suche dir etwas, um dir diese Zeit so angenehm wie möglich zu gestalten.
Und GLEICHZEITIG: Auch ein sensibles Kind hat absolut gar nichts davon, wenn du deine Kräfte für eine längere Begleitung nicht mehr ausreichen und du irgendwann immer unleidlicher wirst. Dann ist der Moment da, Verantwortung zu übernehmen und nochmal neue Wege zu finden.
Das heißt…
Es geht nicht darum, die perfekte Lösung für die nächsten Jahre zu finden. Gedanken wie “das muss ja schließlich auch länger funktionieren“ oder “so geht das ja schließlich nicht” führen sogar eher dazu, dass wir unsere Kreativität einschränken und uns wegen “ungelegter Eier” das Leben schwer machen.😔
Vielmehr geht es darum, herauszufinden, was JETZT GERADE für eure Familie im Ganzen am besten passt und wer was am meisten braucht bzw. wer am meisten leiden würde.
Indem du dir erlaubst, flexibel und kreativ zu sein, kann die Einschlafbegleitung weniger zur Belastung und mehr zu einer wertvollen Zeit des Zusammenseins und der Verbindung werden.
👉 Hast du Fragen oder Anmerkungen? Dann schreibe sie gern unter den Artikel! 🥰




