Wir alle kennen diese Momente, wenn unsere Kinder an ihre Grenzen stoßen – und wir mit ihnen.🙃 Momente, in denen unsere Geduld auf die Probe gestellt wird und wir alles andere als gelassen reagieren…
Und klar, meist passiert das, wenn wir überreizt, gestresst, müde oder einfach hungrig sind. Das Leben als Eltern ist nicht immer einfach, und niemand ist ein Zen-Meister – zumindest kenne ich niemanden, der das von sich behaupten kann.
Warum verlieren wir die Fassung?
Wir Eltern haben oft unbewusst sehr hohe Erwartungen an unsere Kinder, die wir (wenn wir ehrlich sind) selbst kaum alle erfüllen könnten. Aus meiner Sicht entstehen überhöhte Erwartungen häufig aus tief verwurzelten Ängsten und Sorgen: Angst, dass unser Kind sich schlecht entwickelt, ausgeschlossen wird oder im Leben scheitert, weil es nicht „richtig“ funktioniert. Das Ergebnis ist, dass wir unbewusst sehr hohe Maßstäbe an unsere Kinder anlegen – Maßstäbe, die wir selbst manchmal nicht einmal einhalten könnten.
Wenn dann die Realität – beispielsweise ein chaotisches, unhöfliches Kind, das vielleicht sogar auch mal verbal oder körperlich aggressiv ist oder einfach nicht „mitmacht“ – auf diese Erwartungen trifft, fühlen wir uns überfordert und werden immer gereizter. Wir haben das Gefühl, dass die Situation außer Kontrolle gerät, was uns erst recht stresst. Und die Abwärtsspirale beginnt…
Dabei vergessen wir oft, dass viele der Fähigkeiten, die wir von unseren Kindern erwarten – insbesondere die Fähigkeit zur Regulation von Gefühlen, aber auch zur Selbstorganisation – einfach noch nicht vollständig entwickelt sind. Unsere Kinder erleben die gleichen intensiven Gefühle wie wir, haben oft einen genauso vollen Terminkalender und ab einem bestimmten Alter auch einen Haufen Hausaufgaben und andere Verpflichtungen.
Aber sie haben noch nicht die Werkzeuge, um mit ihren ab Geburt gelieferten (starken) Gefühlen und all den Aufgaben alleine umzugehen, was zu weiterem Chaos führen kann. Und genau in den Momenten, in denen wir Ruhe und Kooperation erwarten, reagieren sie dann womöglich besonders herausfordernd – eben weil sie selbst überfordert sind von all den Gefühlen und den vielen Aufgaben und Anforderungen im Außen.
Wenn wir dann zusätzlich bedenken, dass auch wir als Erwachsene manchmal selbst nicht die besten Fähigkeiten zur Selbstregulation oder -organisation haben – obwohl unser Gehirn seit Mitte/Ende 20 mehr oder weniger vollständig ausgereift ist, während das unserer Kinder noch längst nicht so weit ist – wird die Bewertung dieser Situationen wirklich interessant, wenn nicht sogar ein wenig absurd. 🫠😇
Was tun, wenn du kurz davor bist, die Nerven zu verlieren?
Gerade weil diese Diskrepanz zwischen Erwartung und Realität so herausfordernd für uns Eltern sein kann, ist es umso wichtiger, Strategien zu entwickeln, die uns helfen, ruhig zu bleiben, wenn wir kurz davor sind, die Nerven zu verlieren. Hier ist ein einfacher Plan, den du in solchen Momenten anwenden kannst:
1. (KURZ) LOSLASSEN
Lass deine momentane Absicht oder das unmittelbare Ziel (vorerst) los. Indem du bewusst den Wunsch loslässt, dass sofort passiert, was passieren soll, oder die Situation zu kontrollieren, gibst du dir selbst die Chance, ruhiger zu werden und dein Kind möglichst so zu begleiten, wie es das für die Entwicklung seiner Fähigkeiten braucht. Mehr dazu findest du auch in meinem Fahrplan.
2. UMDENKEN
Ändere deinen Fokus und denke um. Versuche, die Situation aus einer anderen Perspektive zu betrachten, um euer beider Sichtweisen und Gefühle besser einordnen zu können.
3. VERBINDEN.
Gehe in Verbindung mit deinem Kind: Nimm Blickkontakt auf, geh (bei kleineren Kindern) in die Hocke oder setze dich hin und zeige Verständnis für die Situation – oft reicht dies bereits, um die gemeinsame Abwärtsspirale zu entschärfen. Oder, wenn dein Kind so etwas mag, streichle es sanft über die Wange oder lege eine Hand auf Schulter oder Rücken. Sage zum Beispiel: „Ich kann nachvollziehen, warum du dich so ärgerst“ oder „Ich höre dich“.
Je nach Kind und/oder Alter kann das eine oder das andere eher verbindend, aber auch trennend wirken. Daher ist es wichtig, dass du hier keinen Standard-Wegen folgst, sondern Ideen und Empfehlungen für deine Familie anpasst.😀
Ich wünsche mir, dass „L.U.V.“ (Loslassen, Umdenken, Verbinden) ein Weg für dich sein kann, in stressigen Momenten ruhiger zu bleiben und gleichzeitig die Verbindung zu deinem Kind zu stärken.
Eine schwierige Kombination
Denke daran: Alle Gefühle sind von Geburt an da, aber die Fähigkeit, mit ihnen umzugehen, entwickelt sich (genauso wie die Fähigkeit, sich selbst zu organisieren) erst im Laufe der Zeit. Erst mit Mitte bis Ende 20 ist beispielsweise überhaupt erst der Bereich des Gehirns fertig entwickelt, der für das rationale Denken und Planen zuständig ist: der präfrontale Kortex.
Dass also alle Gefühle bereits da sind, aber eben nicht die Fähigkeiten, mit ihnen umzugehen, ist schlicht eine herausfordernde Kombination: sowohl für uns Eltern, aber natürlich auch für unsere Kinder. Doch indem wir uns bewusst für Loslassen, Umdenken und Verbinden entscheiden, können wir damit etwas häufiger konstruktiver umgehen und häufiger gelassener zu bleiben.
Hier nochmal die Kernpunkte zum Mitnehmen für dich
- Erwarte keine Perfektion: Erinnere dich daran, dass dein Kind noch in der Entwicklung ist, was die Fähigkeiten zur Selbstregulation und Selbstorganisation betrifft. Auch du bist auf dem Weg, diese oft in der Kindheit selbst noch nicht gelernten Fähigkeiten noch weiter auszubauen!
- Sei geduldig: Gib dir selbst und deinem Kind Zeit, um zu wachsen und zu lernen, und erlaube euch beiden, Fehler zu machen.
- Bleibe in Verbindung: Nutze „L.U.V.“, um in stressigen Momenten ruhig zu bleiben und die Verbindung zu deinem Kind zu stärken.
Die „Moral von der Geschicht“
Niemand ist perfekt, und das ist in Ordnung. Wir alle verlieren manchmal die Fassung. Wichtig ist jedoch, dass wir für unsere eigenen Fehler Verantwortung übernehmen, uns selbst und unseren Kindern gegenüber gnädig sind und immer wieder neu beginnen.
Lass mich wissen, wie dir diese Strategien helfen – ich freue mich von Herzen auf dein Feedback!
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