Die Sommerferien sind vorbei, der Kindergarten startet, der erste Schultag oder der Schulstart ins neue Schuljahr rücken näher. Für viele Kinder ist das ein aufregender Neuanfang, für andere ist das Ganze eher mit Ängsten und Sorgen verbunden. Nicht wenige zählen schon die Tage, bis sie ihre Freunde wiedersehen. Andere werden eher stiller oder sogar „überdrehter“ oder „patziger“. Wieder andere sind plötzlich eher anhänglich.
Drüber sprechen, dass sie sich Sorgen machen, wie alles wohl sein wird, machen allerdings nicht so viele Kinder. Insofern hilft es, wenn du das Thema auf dem Schirm hast und dein Kind umsichtig begleitest. Dieser Blog-Artikel soll dir genau dafür Ideen geben, damit du deinem Kind Orientierung und Sicherheit schenken und ihr oder ihm helfen kannst, Sorgen und Ängsten zu begegnen und diese auch zu verarbeiten.
Übrigens, ganz ehrlich: Auch für uns Eltern ist jeder neue Start ins Kita- oder Schuljahr oder sogar in komplett neue Umgebung immer wieder aufs Neue ein kleiner Meilenstein. Wir hoffen, dass unser Kind sich wohlfühlt, (neue) Freunde findet und am besten noch: dass Kita oder Schule Spaß machen. Und natürlich möchten wir es, so gut wie möglich, auf diesen Übergang vorbereiten.
Die gute Nachricht: Kinder sind anpassungsfähig und resilient. Aber sie brauchen auch unsere Begleitung, wahrgenommene (also wirklich innerlich empfundene) Sicherheit und unsere emotionale Präsenz, um gut anzukommen.
Hier ein paar Inspirationen für dich, dein Kind zu unterstützen, egal, ob es zum ersten Mal in den Kindergarten geht, in die Schule kommt oder nach den Ferien wieder einsteigt.
1. Richtig Spaß macht’s erst, wenn sich dein Kind sicher fühlt.
Natürlich möchten wir, dass unser Kind Freude hat, vielleicht sogar neue Freunde findet und sich auf den Tag freut.
Aber: Spaß kann erst entstehen, wenn sich ein Kind weitestgehend sicher fühlt, und zwar sicher in der Umgebung, bei den Bezugspersonen (Erzieher, Lehrerin, Betreuer) und in den Abläufen.
Das bedeutet: Statt den Fokus auf „Das wird toll!“ zu legen und fast schon zu den Schul- oder Kita-Start als das Allertollste zu verkaufen, ist es wichtig, möglichst viele Voraussetzungen für ein Gefühl von Sicherheit zu schaffen.
Grundlegende Voraussetzung von wirklicher Sicherheit ist, Gefühle von Unsicherheit und Ängsten anzuerkennen und nicht wegzuwischen (alles andere wäre Angst nur wegzudrücken, Mut aber ist Angst zu haben und Dinge dennoch zu tun), z.B. so:
„Ich verstehe, dass das neu ist und du dir Gedanken macht. Das ist auch verständlich. Wenn wir etwas Neues anfangen, fühlen wir uns oft gleichzeitig aufgeregt und etwas unsicher. Das ist völlig normal. Ich bin sicher, dass du dich daran gewöhnen wirst, auch wenn es am Anfang Zeit braucht.“
Erkläre, was dein Kind im Alltag erwartet, z.B.:
- Wer ist für dich da? „In der Schule passt Frau Müller auf dich auf.“
- Was tun bei Durst oder Hunger? „Wenn du Durst hast, darfst du dein Wasser holen.“
- Wie bekommt man Hilfe? „Wenn du etwas fragen möchtest, hebst du die Hand.“
Tipp: Übt kleine Alltagssituationen zu Hause. Lass dein Kind den Rucksack selbst öffnen und schließen, wenn der Verschluss vielleicht kompliziert ist oder was dein Kind sonst vielleicht noch nicht so gut kann.
Was du noch tun kannst, um ein Gefühl von Sicherheit zu stärken:
a) Sicherheit in der Umgebung fördern
- Vorab-Fotos oder ein kurzer Besuch: Eingang, Garderobe, Toilette, Gruppen-/Klassenraum, Pausenhof.
- Orientierungssatz fürs Kind: „Vom Eingang gehst du an den blauen Schränken vorbei zur Garderobe. Die Toilette ist links neben der Tür mit dem Stern.“
b) Sicherheit bzgl. Menschen: Namen und Bezugspersonen greifbarer machen
- Dir schon bekannte Namen früh einführen und immer mal wieder beiläufig erwähnen: “Deine Lehrerin ist Frau Müller / dein Erzieher heißt Ali.“ (ich durfte auch schon bei einem Erstklass-Elternabend für eins meiner Kinder mit Schwierigkeiten mit Übergängen ein Foto von der Lehrerin machen)
- Positive Assoziationen schaffen, wenn möglich, bspw.: „Ich glaube, Frau Müller mag auch Hunde.“
→ Effekt: Die neuen Erwachsenen werden weniger „fremd“.
- Zuständigkeit klarmachen: „Wenn du Hilfe brauchst, gibt es auf dem Pausenhof immer mindestens einen Erwachsenen, zu dem du gehen und den du ansprechen kannst.
c) Sicherheit in den Abläufen
- Mikro-Skills üben: z.B. (und je nach Alter) Rucksack/Brotdose öffnen & schließen, Trinkflasche richtig zumachen, Jacken-Reißverschluss, Hand heben, zur Toilette gehen und Bescheid sagen.
- 3-Schritte-Plan „Wenn ich unsicher bin“
- Stehen bleiben & tief atmen
- Zu einer erwachsenen Person gehen
- Satz sagen: „Ich brauche Hilfe, bitte.“
- Klare Abhol-Info: „Nach der Nachmittagsgeschichte hole ich dich ab.“ Es ist essentiell für das Sicherheitsgefühl deines Kindes, dass du dich daran hältst. Deswegen mache bitte nur Zusagen, die du auch wirklich einhalten kannst! (Mehr dazu in Punkt 5.)
2. Neugier und Offenheit wecken
Sich auf das Neue einzustellen, ist für Kinder reden oft mit ein wenig “Fantasieren” leichter, anstatt dass man sie (via Holzhammer-Methode) direkt nach Gefühlen oder Erwartungen “befragt”.
Anstatt: „Na, freust du dich?“,
lieber: „Ich frage mich, wie wohl der Klassenraum aussieht, wenn du demnächst das erste Mal (wieder) reinkommst?“ oder „…,wie die Abläufe wohl sein könnten. Was denkst du?“
Solche Sätze öffnen innere Bilder, es lädt sanft ein, sich mit dem Neuen auseinanderzusetzen, ohne dass Kinder das Gefühl haben, eine bestimmte Antwort geben zu müssen.
Tipp: Erfindet gemeinsam kleine „Was-wäre-wenn“-Geschichten (z.B. ein erfundener erster Schultag).
3. Den neuen Ort vertraut machen
Unbekannte Orte können verunsichern. Deshalb:
- Geht gemeinsam am Gebäude vorbei.
- Schaut euch Fotos oder Videos der Schule/des Kindergartens an.
- Falls möglich: Einen „Mini-Besuch“ machen, vielleicht sogar schon mit einem kurzen Blick ins Klassenzimmer (im Kindergarten ist “Schnupper” mittlerweile Usus, oder? Schreibs mir gern in die Kommentare)
Je mehr visuelle Eindrücke ein Kind vorher hat, desto leichter fühlt sich der erste Tag an, weil im Kopf schon eine Art „Karte“ des Ortes existiert.
4. Was bleibt gleich, was ändert sich?
Veränderung ist leichter einzuordnen, wenn klar ist: Nicht alles verändert sich.
Ihr könnt mündlich eine Liste machen:
- Bleibt gleich: „Wir frühstücken morgens zusammen, so wie immer.“
- Neu: „Mittags gibt es Essen in der Schule.“
Gerade für jüngere Kinder macht das den Unterschied zwischen „Alles ist neu“ und „Ein paar Dinge kenne ich schon“. Und vor allem dienen die bekannten Elemente im Tag als eine Art zusätzlicher “Sicherheitsanker”.
5. Abschiedsrituale und ein Stück Zuhause mitgeben
Ein vorhersehbarer Abschied kann Orientierung geben, bspw.:
„Ich gebe dir einen Kuss, sage ‚Bis später, Alligator‘, dann gehst du rein und ich fahre zur Arbeit und hole dich um 14 Uhr wieder ab.“
Tipp: Gib deinem Kind zusätzlich ein Stück Mama/Papa oder Zuhause mit.
Beispiele: Mini-Kuscheltier, Schlüsselanhänger, ein besonders schöner Stein.
Manchmal ist auch etwas direkt am Körper hilfreich: ein Armband, ein aufgemaltes Herz auf der Hand oder ein spezielles Arm- oder Haarband von Mama oder Papa.
6. Kleine Trennungen im Alltag üben
Manchmal können wir im Alltag üben, dass Abschied nicht „für immer“ heißt:
„Ich gehe einkaufen, Papa bleibt bei dir. Du weißt ja, ich komme immer zurück.“
„Ich bin jetzt für eine halbe Stunde nebenan am Computer. Schau mal, hier ist ein Timer, an dem du siehst, wie die Zeit verstreicht. Ich komme wieder zu dir rüber und wir spielen zusammen, wenn der Timer klingelt (wir nutzen diesen hier).
So verankert sich unbewusst das Vertrauen, dass auch nach der Schule oder dem Kindergarten immer ein Wiedersehen kommt.
7. Spielerische Vorbereitung
Rollenspiele (z.B. mit Kuscheltieren) helfen, sich auf Trennung und Wiedersehen bzw. das neue Kapitel im Leben deines Kindes einzustellen bzw. die Veränderungen zu “verarbeiten”.
Vielleicht lasst ihr ein Kuscheltier im „Kindergarten“ (eine Ecke des Zimmers) und holt es später wieder ab.
Sprecht darüber, wie es sich gefühlt hat und dass es bei den Erziehern sicher war, bis es wieder bei euch Zuhause war.
8. Den Alltag sanft anpassen
Mindestens ein paar Tage vorher:
- Schlafenszeit schrittweise vorverlegen
- Langschläfer etwas früher wecken
- Viel körperliche Bewegung einplanen, um Stress (durch Ängste und Unsicherheiten) abzubauen
- Vielleicht auch Kontakte zu zukünftigen Mitschülern oder Gruppenfreunden herstellen und ruhig schon mal wieder verabreden (falls ihr das nicht sowieso schon in den Ferien gemacht habt)
9. Den Vortag bewusst gestalten
Bereitet alles vor, gern auch gemeinsam: Kleidung, Ranzen, Brotbox.
Schafft einen positiven Abschluss der Ferien, z. B. mit einem gemeinsamen Abendessen, einem kleinen Rückblick auf die schönsten Sommermomente und einem Blick nach vorn.
Früh schlafen gehen – auch als Eltern. Ausgeruht lässt sich der erste Tag gelassener angehen.;)
10. Meltdowns nachmittags einplanen
Gerade nach einem für das Kind harten Tag außer Haus (du kannst dir vorstellen, dass der Kita-/Schultag für dein Kind so anstrengend ist wie ein “richtiger Arbeitstag”, ist es für dich hilfreich im Zweifelsfall nach dem Nachhause kommen damit zu rechnen, dass es nicht unbedingt fröhlich und unbeschwert wird. Tränen, Nölen, Ärgern, Wutanfälle sind durchaus nicht ungewöhnlich. Erst recht in Übergangszeiten.
Das ist dementsprechend also kein schlechtes Zeichen, sondern bedeutet nur: Dein Kind hat sich den ganzen Tag angestrengt, aufmerksam zu sein, Regeln zu befolgen, soziale Situationen zu meistern und lässt jetzt bei dir als „sicherem Hafen“ die Gefühle raus.
Was dann hilft:
- Beim Abholen nicht mit vielen Fragen bombardieren.
- Erst ankommen lassen, z.B. mit einem Snack, etwas Ruhe, je nach Kind einem Spaziergang, Puzzeln…
Gegebenenfalls später über den Tag sprechen, wenn dein Kind wieder Kraft hat und dann statt „Wie war dein Tag?“ lieber spezifischere Fragen stellen:
- „Neben wem hast du beim Mittagessen gesessen?“
- „Was habt ihr denn in der Pause gespielt?“
- „Hat heute jemand etwas Lustiges gesagt?“
→ Solche Fragen können dabei helfen, große Erlebnisse, an die sich dein Kind im Einzelnen vielleicht gar nicht mehr genau erinnern kann, in kleine, leichter erzählbare Teile zu zerlegen.
Wichtig: Beim Kita-Start genauso wie beim Schulstart zählt auch deine innere Haltung
Kinder spüren sofort, wie wir uns fühlen. Wenn wir
1. wirklich davon überzeugt sind, dass unser Kind in diesen Kindergarten oder in diese Schule soll (für mehr Klarheit in dieser Hinsicht ist u.a. auch eine Familienvision hilfreich) und
2. innerlich sicher sind, dass unser Kind den Übergang (früher oder vielleicht auch etwas später) schafft,
können wir ihre oder seine Gefühle (Ängste und Unsicherheiten) sogar eher gelassener und verständnisvoller annehmen, ohne sie kleinzureden, als wenn wir selbst voller Zweifel sind, ob unser Kind das schon hinbekommen wird:
„Ich weiß, dass es gerade schwer ist. Und ich weiß auch, dass es leichter wird.“
Diese innere Zuversicht, die wir unserem Kind damit vermitteln, ist was komplett anderes als jede „Es wird schon“-Floskel.
Natürlich immer vorausgesetzt, dein Kind ist im Kindergarten / der Schule tatsächlich gut aufgehoben. Zusätzlich lassen sich selbstverständlich auch nicht alle Kinder über einen Kamm scheren. Gerade eher sensible und / oder neurodivergente Kinder (ADHS, Autismus) haben von sich aus schon ein deutlich sensibleres Nervensystem, sodass es für sie per se deutlich herausfordernder sein KANN, sich sicher zu fühlen.
Aber auch hier kann gerade Spiel und langsames Vorbereiten besonders hilfreich sein und natürlich ggf. auch ein Austausch mit dem Klassenlehrer oder der Erzieherin.
Fazit:
Ein sanfter Start lebt von kleinen Schritten, die dabei helfen, Sicherheit zu geben, Gefühle anzunehmen und sie u.a. damit zu integrieren.
Rituale, realistische Erwartungen und unsere innere Klarheit, Regulation und Selbstsicherheit als Eltern on top helfen unseren Kindern zusätzlich dabei, einen möglichst schönen Start in den neuen Abschnitt zu haben.
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