Eigene Unaufmerksamkeiten
„Du hast einen Fehler gemacht“, sagte mein Kind vorhin zu mir, als wir gemeinsam Wäsche machten.
Ich fühlte mich ein wenig ertappt und schaute auf, neugierig, worum es ging. Er zeigte auf meine Espressotasse, die ich etwas gedankenverloren auf den schmalen hölzernen Sofarand gestellt hatte. Mein Mann hatte mir freundlicherweise einen Espresso gebracht, und ohne groß nachzudenken, hatte ich die Tasse auf dem Sofarand abgestellt. Dieser ist ungefähr so breit wie die Tasse selbst und befindet sich quasi direkt neben der Zimmertür…😬
Mein Kind wies mich (zurecht!) darauf hin, dass das kein sehr geeigneter Platz sei und dass das Regal daneben besser geeignet wäre. Und stellte die Tasse um.
Vor einiger Zeit wäre mindestens meine innere Reaktion ziemlich heftig gewesen, wenn nicht auch das, was ich nach außen gezeigt habe… Heute war es dieses kurze „ertappt-Gefühl“. Dann stimmte ich ihm zu, bedankte mich fürs Umstellen und sagte: „Du hast recht, ich habe einen Fehler gemacht. Danke, dass du dich gekümmert hast.“
Was mich wirklich überrascht und zugleich gefreut hat, war mein eigener Umgang mit der Situation. Früher hätte ich mich möglicherweise verteidigt (“da hab ich gar nicht nachgedacht, das passiert ja jedem mal”), mich rausgeredet (“Ach so, ja, das steht da eh nur kurz und wir sind ja gerade in der anderen Ecke des Zimmers und dann kann da ja niemand dran kommen.”) oder hätte vielleicht verärgert reagiert (ein grimmiges “ja, passt schon” oder so).
Heute konnte ich einfach sagen “stimmt” und mich über die Aufmerksamkeit meines Kindes freuen. Es hätte ja tatsächlich wer von den anderen reinkommen und gegen die Tasse kommen können.🫣
Vielleicht kennst du solche Situationen auch? Ehrlich gesagt, war lange Zeit Verteidigen oder ein unbewusstes Rausreden eher typisch für mich. Und das, OBWOHL ich selbst als Kind diese Art nicht mochte, mich sowas unendlich frustriert hat und ich mich nicht gesehen gefühlt habe, wenn ich ich etwas angesprochen habe, was ich z.B. blöd fand und die Reaktion dann bloß ein „Gründe finden” aka rausreden war, statt “einfach” (haha) dazu zu stehen, dass das Gegenüber etwas falsch gemacht hat.
Also no shame, wenn dir das genauso geht.
Und beim nächsten kleinen Stolperstein – nimm dir vielleicht einen Moment Zeit für deine Reaktion. Vielleicht gelingt es dir auch, dich für die Hilfe zu bedanken und du freust dich so wie ich, wenn es dir hin und wieder gelingt, (berechtigte) Kritik anzunehmen und dich möglicherweise sogar dafür zu bedanken.
Aber was, wenn der Fehler größer war, du wirklich Mist gebaut und dein Kind angeschrien oder zu fest angefasst hast?
Auch hier gilt: Steh dazu. Rede nicht nicht heraus. Geh sogar noch einen Schritt weiter und gehe von selbst auf dein Kind zu und sage, dass es nicht in Ordnung war, laut zu werden, so mit ihr/ihm zu reden…!
Aber verliere ich nicht an Autorität, wenn ich mich entschuldige?
Ich kann verstehen, dass es sich gewöhnungsbedürftig anfühlen kann, Fehler einzugestehen. Vielleicht hilft es dir ja, dir eine Situation vorzustellen, bei der sich bei dir jemand entschuldigt hat. Vielleicht sogar eine Autoritätsperson, wie ein Lehrer oder eine Vorgesetzte. Was hast du in dem Moment von dieser Person gedacht? Wie hat es deine Meinung beeinflusst, dass dieser Mensch eingesteht, dass etwas nicht in Ordnung war, was er oder sie gemacht hat, dass sie daran arbeitet es nicht nochmal vor kommt?
Ich habe bislang immer nur größten Respekt vor solchen Personen gehabt. Sich entschuldigen zu können, zu den eigenen Fehlern zu stehen, ist ein Zeichen von Stärke, von Souveränität.
Wenn du zu deinen Fehlern stehst, stärkst du automatisch auch dein Kind
Wie das? Ganz einfach. Dein Kind erlebt beispielsweise, dass es es angeschrien hast. Es fühlt sich schrecklich, hatte vielleicht Angst, fühlt sich nicht gut genug.
Wie wird es sich auf Dauer fühlen, wenn so etwas immer wieder vorkommt, aber du nie dazu stehst, das Ganze nie thematisierst oder dich rausredest, wenn dich dein Kind anspricht?
Sprichst du hingegen darüber, erklärst deinem Kind, dass es nicht verdient hat, dass man es anschreit, selbst wenn es etwas angestellt hat, was so richtig daneben war, weiß es um den eigenen Wert. Den Wert, den jeder Mensch hat, der es rechtfertigt, dass alle Menschen mit Respekt behandelt werden.
Eine häufige Frage, die Eltern haben, ist: „Wie stärke ich den Selbstwert meines Kindes?“
Und genau solche Momente, wo du als Elternteil Mist gebaut hast, sind die Gelegenheiten, die einen großen Unterschied in Sachen Selbstwert machen: Deinem Kind zu vermitteln…
„Du bist es wert, gut behandelt zu werden. ICH habe etwas falsch gemacht. Ich hätte es dir auch auf andere Weise vermitteln können, dass du deinen Bruder nicht schupsen darfst.“
Fehler sind menschlich.
Aber es ist unsere Reaktion darauf, die den Unterschied macht. Natürlich ist es auch wesentlich, dass du dann tatsächlich daran arbeitest, es besser hinzubekommen, sonst bist du logischerweise irgendwann nicht mehr glaubwürdig! Wenn du damit haderst, dass du doch häufiger nicht ganz so reagierst wie du es eigentlich gerne möchtest und z.B. lauter wirst, möchte ich dir meinen Fahrplan ans Herz legen. Hier findest du mehr Infos dazu.
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